Dorferneuerung

Städtebauliche Sanierungsmaßnahme
Sanierung „Ortsmitte Letschin“

Letschin, zu Zeiten Friedrich des Großen eine zentrale Handwerkergemeinde inmitten des überwiegend landwirtschaftlich genutzten Oderbruchs, ist heute eine aus 10 Ortsteilen bestehende Gemeinde mit ca. 4800 Einwohnern. Der Ortsteil Letschin, dessen Entstehung ins 13 Jh. zurückreicht, hat heute etwa 2000 Einwohner und erfüllt die zentralörtliche Funktion eines Grundzentrums in der Region.

Das heutige Ortsbild ist hauptsächlich von Besiedlungsgrundsätzen des 19. Jh. geprägt. Neben vielen ortsbildprägenden Wohngebäuden u.a. nach Plänen von C. Schüler sind der große, klare Angerbereich in der Ortsmitte, der wie ein Rückrat oder eine grüne Lunge im Ort wirkt, die Bepflanzung des Dorfangers mit Linden und Kastanien und die Kirche am Marktplatz von K.F. Schinkel, von der nur noch der Turm als Wahrzeichen Letschins, heute „Schinkelturm“ genannt, erhalten ist, charakteristisch.

Mit dem Ziel, städtebauliche Missstände zu beheben und den Ort entsprechend seiner Funktion für die angegliederten Ortsteile zu entwickeln, begann 1994 das Verfahren der städtebaulichen Sanierung mit den vorbereitenden Untersuchungen. Die bebaute Fläche des Ortsteils Letschin und damit des Untersuchungsgebietes beträgt ca. 122 ha. Seit 1996 ist die Sanierungsatzung rechtskräftig. Das Sanierungsgebiet, welches die engere Ortsmitte umfasst, hat eine Größe von 34 ha. Die Gemeinde wird vom Bund-Land-Programm der Städtebauförderung bei der Bewältigung der folgenden Schwerpunktaufgaben unterstützt: Sicherung und Stärkung der wirtschaftlichen Grundlagen, Ausbau und Stärkung der zentralörtlichen Funktion und damit aller Einrichtungen zur Daseinsvorsorge, Verbesserung der Wohnverhältnisse, der Umweltverhältnisse und der technischen Infrastruktur.

Begleitet wird die Sanierung vom Büro für kommunale Planung und Entwicklung (BPE) in der Funktion des im Auftrag der Gemeinde Letschin tätigen Sanierungsbeauftragten. Wie im Baugesetzbuch als eine Möglichkeit vorgesehen, entlastet der Sanierungsbeauftragte für den Durchführungszeitraum der Sanierung die Gemeindeverwaltung. Die Gemeinde führt die Sanierung im sogenannten „vereinfachten Sanierungsverfahren“ durch, bei dem keine Abgaben in Form von Ausgleichsbeträgen für die Wertsteigerung der Grundstücke anfallen.

Inzwischen nähert sich die Sanierung ihrem Ende. Die Straßen im Sanierungsgebiet wurden funktionsgerecht neu gestaltet, Baudenkmäler wie der Schinkelturm und die Grundschule am Marktplatz wurden denkmalpflegerisch restauriert, private und öffentliche Gebäude wurden modernisiert und instandgesetzt, die Aufenthaltsqualität von öffentlichen Plätzen und Grünflächen wurde durch Gestaltungsmaßnahmen aufgewertet. Alles in allem wurden im Sanierungsgebiet bisher ca. 30 Millionen Euro von privaten und öffentlichen Trägern investiert. Die Städtebauförderung hat dabei einen Anteil von über 4 Millionen Euro.stadtebauliche-sanierung-bilder-fur-website.jpg

Auf diese Leistung der Letschiner will die keinesfalls zufällige Kunstaktion „Ein-Leuchten-Letschin“ aufmerksam machen. Im Oderbruch haben sich schon zu DDR-Zeiten viele Künstler angesiedelt, sind dort geblieben und haben weitere Künstler nachgezogen. Mit ihren vielfältigen Aktivitäten prägen sie sowohl das lebendige kulturelle Leben als auch das Landschafts- und Ortsbild: Kunst steht an den Ufern der Oder, die jährlichen Kunst-Loosen-Tage ziehen Menschen aus allen Regionen der Mark und aus den Ballungsräumen an, das Kalenderfest in Altlewien hat sich zum attraktiven Kunstevent auf dem Lande entwickelt, Dorfbrunnen, Skulpturen und Denkmäler werten die Dörfer und Gemeinden auf. Kunst ist im Oderbruch gegenwärtig und so auch in Letschin: Der Letschiner Hahn ist das Ergebnis eines regionalen Künstlerwettbewerbes, er verkörpert das Letschiner Wappen und ist als Pendent zum Denkmal des Alten Fritz am anderen Ende des Angers ein Beschützer und Rufer am Eingang zur Ortsmitte Letschins.

So wundert es nicht, dass sich Letschin nun in der dunklen Jahreszeit und nach Fertigstellung der Ortsdurchfahrt in neuem Glanz präsentiert. Künstler haben rund um den Anger witzige Ideen mit Lichtinstallationen zum „Ein-Leuchten-Letschin“ umgesetzt, denn in Letschin gehen die Lichter nicht aus, sondern an. Gerade ist die Gemeinde vom Land Brandenburg als „familien- und kinderfreundliche Gemeinde 2007“ ausgezeichnet worden.

Mit so vielen aktiven Menschen und einem lebendigen Dorfleben mit Hahnenfest, Denkmaltag, Adventsmarkt, Erntefest, Karneval und vielen anderen Initiativen in den zahlreichen Vereinen sind die Voraussetzungen für eine positive zukünftige Entwicklung der Gemeinde und für den Umgang mit dem demografischen Wandel allerbestens.

Sicher wird es in Zukunft neue Ideen für Kunst im öffentlichen Raum geben, die in einer so aufgeschlossenen, offenen Gemeinde bestimmt Chancen zur Realisierung haben.

Helga Holz
BPE/Sanierungsbeauftragte Letschin

Ein Leuchten in Letschin